Die Geschichte der Kapelle Klein Bülten

Viele Generationen bauten an der Bültener Kapelle

Heute eine Stätte der Begegnung 

Von Heinrich Munk

Seitdem die alten Gotteshäuser in Adenstedt, Handorf, Groß Bülten und Solschen abgebrochen und durch Neubauten ersetzt wurden, ist die Kapelle zu Bülten der älteste Zeuge kirchlicher Baukunst in dieser Gegend. Sie steht mitten im Dorf und wird von hohen, alten Bäumen beschattet. Ihr genaues Alter lässt sich nicht mehr feststellen, da urkundliche Aufzeichnungen über ihre Gründung nicht vorhanden sind.

Das Dorf Bülten wurde zum ersten Male urkundlich erwähnt, als im Jahre 1318 die Herren von Uetze und Schwicheldt in der Bültener Feldmark mit Ländereien des Herzogs von Braunschweig belehnt wurden. Eine weitere Eintragung im Lehnsregister des Jahres 1344 besagt, daß die “Brüder Johann und Wilhelm von Uetze zwei Hufen Landes und eine Meierei im Felde In Bülten zu Lehen besitzen”.

Im August 1361 stellte der Domprobst von Hildesheim ein Verzeichnis auf, in dem es heißt, daß der Domprobstei ein Freigut (villacacione) und der Zehnte in Bülten gehöre. 1382 besitzt die Domprobstei 7 Hufen Land in Bülten, und um diese Zeit wird auch die Bültener Kapelle schon vorhanden gewesen sein. Der Historiker H. D. A. Sonne vermerkt in seiner Beschreibung des Königreichs Hannover aus dem Jahre 1829, die Kapelle zu Bülten sei „ein Bruchsteinbau, dessen Tür mit einem Spitzbogen beschlossen“ werde. Der Spitzbogen ist aber ein besonderes Merkmal der Gotik, jener Stilepoche aus dem Jahre 1240 bis 1480.

Ihr heutiges Ansehen erhielt die Kapelle in den Jahren 1690 bis 1692. Rund 40 Jahre nach dem dreißigjährigen Kriege gingen die Bültener daran, ihr kleines, graues Gotteshaus wieder würdig herzurichten, zumal die Kirchenrechnung des Jahres 1689 mit fast 200 Talern Überschuß abschloß.

Kapelle Bülten
Kapelle Bülten
Kapelle Bülten
Schacht Emilie

Die Kapellengemeinde hatte damals recht ansehnliche Einnahmen. Neben dem Kornzins, den die Pächter des Kapellenlandes zahlten, erhielt sie Zinsen von ausgeliehenen Geldern. So betrugen z. B. 1687 die Einnahmen an Komzins 16 Taler und 19 Groschen, an Geldzinsen gingen 55 Taler und 18 Groschen ein. Diesen Einnahmen standen nur geringe Ausgaben gegenüber. Der Bültener Lehrer erhielt 3 Taler zur jährlichen Besoldung, und für das Läuten der Bet- und Feierabendglocke bekam er noch einen Taler extra. Dafür, daß an die Kirchenkasse der Mutterkirche zu Solschen jährlich 20 Taler abgeführt wurden, predigte der Solschener Pastor zweimal im Jahre in Bülten, am Karfreitag und am Michaelistag. Der Solschener Rektor, der mehrmals jährlich in der Kapelle einen Lesegottesdienst hielt, wurde mit 5 Talern entlohnt, und die Altarleute, die den Solschener Pastor bei den Besuchen in Bülten zu bewirten hatten, bekamen sämtliche Unkosten erstattet.

Nicht kleinlich war man auch bei der Abnahme der Kirchenrechnung. Hier genehmigte man sich am Jahresende so manches Viertel Wein, Bier und Branntwein. Allein bei der Rechnungslegung Im Jahre 1687 wurden für die Altarleute, den Solschener Pastor und den Amtmann zu Peine 5 Taler und 4 Groschen für Branntwein verausgabt. In manchen Jahren reichte diese Summe nicht einmal aus.

Als nun 1690 die umfangreiche Renovierung der Kapelle beschlossen war, fuhr ein Bote aus Bülten nach Königslutter, um dort zwei Fuder Kalk zu bestellen. Als Wegelohn erhielt er 9 Groschen . Als die Fuhrleute den Kalk anlieferten, wurden sie auf Kosten der Kapellenkasse bewirtet. Der Fuder Kalk kostete 3 Taler, und der Maurer, der den Kalk löschte, erhielt 6 Groschen. 5 Wochen lang arbeitete ein Tischler an der Kapelle. Er verarbeitete 18 Dielen und 3 Schock Lattennägel und erhielt dafür pro Tag 6 Groschen Lohn. Bei diesen Arbeiten Im Sommer 1690 muß es sehr heiß gewesen sein, denn der Tischler setzte allein in 5 Wochen für fast 5 Taler Branntwein auf die Rechnung.

Nach Abschluß der Vorarbeiten kam der Amtmann Michael Kempis aus Peine zur Besichtigung (Rohbauabnahme ?). Diesen Besuch lies er sich mit 1 Taler und 16 Groschen vergüten. Ein Jahr lang ruhte dann der Bau, denn nach der Kirchenrechnung des Jahres 1691 wurden keine Handwerker beschäftigt. Dafür aber griff man ein Jahr später tief in die Kasse. Der Zimmermann Berend Klages Vogdes erhielt für eine Besichtigung 12 Groschen. An den Drost Hermann Stephan von Bockenrode zu Peine wurden 1 Taler und 16 Groschen für die Bewilligung von Bauholz aus dem Hämelerwald gezahlt, während sich der Vogt zu Hohenhameln, der auch Holzvogt über den Hämelerwald war, mit 18 Groschen zufrieden geben mußte. Dann kaufte der Kirchenvorstand 26 Tannen und 2 Fuder Dielen. Ein weiteres Fuder Kalk wurde angefahren, und die Maurer gingen an die Arbeit. Nach 30 Tagen wurden sie mit 11 Groschen pro Tag entlohnt. Zwei “Sagenschneider” zersägten die Tannen und Dielen und erhielten als Lohn 17 Taler. Rund 300 Taler gab der Kirchenvorstand für die Renovierung in den Jahren 1690 bis 1692 aus.

Wahrscheinlich ist die Kapelle bei dieser Gelegenheit etwas vergrößert worden. Nach dreijähriger Arbeit war ein Schmuckstück entstanden. Wie solide die Bültener gebaut hatten, wird dadurch unterstrichen, daß in den nächsten Jahrzehnten kaum Reparaturen notwendig waren.

Leider erzählen die Kirchenrechnungen nichts über die Innnenausstattung. Das Gestühl stellte der Zimmermeister Berend Clages Vogdes her. Seinen Namen schnitzte er im Jahre 1690 in die letzte Kirchenbank.
Fast 100 Jahre blieb die Kapelle dann unverändert. Doch als in Hohenhameln, Soßmar und Bierbergen neue Kirchen mit großen Fenstern entstanden, die das Innere in ganz anderen Proportionen erscheinen ließen, bestellten auch die Bültener erneut Handwerker. So heißt es in der Kirchenrechnung aus dem Jahre 1785. “Bau eines Fensters und Vergrößerung zwei sehr kleiner Fenster. 14 Taler, 22 Groschen. 2 Maurer 5 Tage daran gearbeitet, macht 1 Taler und 24 Groschen.”

1792 drohte Gefahr, daß der kleine Dachreiter einstürzte. Seitdem die im Jahre 1734 gekaufte große Glocke dort hing, war der Dachreiter oft reparaturbedürftig. Die Reparatur kostete 63 Taler. Man hatte nicht so viel Geld in der Kasse und bezahlte den Betrag deshalb in zwei Raten. Wieder hatte die Kapelle 100 Jahre Ruhe. Kurz vor 1900 wurde dann das westliche Drittel der Nordwand mit dem Eingang In Backstein erneuert.

So zeigt sich heute die Kapelle als ein Bau, an dem viele Generationen gearbeitet haben. Auf dem Westgiebel thront der kleine quadratische Dachreiter aus Fachwerk , in dem sich im Jahre 1734 vom Braunschweiger Glockengießer J.C. Kreiteweiß gegossene Glocke Befindet. Eine Inschrift besagt: “H.C. Rutenberg Pastor zu Klein Bülten, J.C. Kreiteweiß gos mich zu Braunschweig Anno 174”.

Kapelle Bülten
Gedenkstein an der Kapelle

Den schönsten Schmuck der Kapelle bildeten einst die Totenkronen. In Bülten stellte man den Toten – einen alten Brauch entsprechend – eine aus Federn, Blattsträußen, Stoffblüten und feinen Drahtspiralen hergestellte Krone auf das Grab. Nachdem der Tote von der Kanzel abgelesen war, wurde diese Krone auf ein fransenbesetztes Kissen gesetzt, auf Bettkonsolen wurden durch ein rechteckiges oder ovales Samttuch mit breiter Goldborte und der Goldborte aufgesticktes und genähten Nahmensinschrift des Toten verziert. Leider wurde diese Totenkrone 1951 restlos entfernt. Eine befindet sich heute noch im Magazin des Kreismuseums in Peine.

Nach dem Bau der neuen Kirche wurden regelmäßige Gottesdienste in der alten Kapelle nicht mehr abgehalten. 1965 übergab die Kirchengemeinde die Kapelle an die politische Gemeinde, und im Februar 1967 beschloß der Gemeinderat eine erneute Renovierung dieses ältesten Zeugen aus der Bültener Vergangenheit. Sie wird in Zukunft ihrer neuen Bestimmung als Ort der Begegnung bei Klön- und Diskussionsabenden sowie besonderen Feiern der Gemeinde dienen. Bülten kann sich dafür keine würdigere und schönere Stätte wünschen.

Die Kapelle in Bülten ist ein würdiger Ort der Begegnung bei Klön- und Diskussionsabenden sowie bei besonderen Feiern der Gemeinde dienen.

Quelle: Flyer des Heimat- & Bergbauverein Klein Bülten von 1997 e.V. 

Stand: 02/2018